Anwenderbericht: MM Logistik 2/2010
Steigerung der Transparenz und Effizienz
Der Automobilhersteller BMW und der Logistikdienstleister DB Schenker haben den Materialfluss im BMW-Werk Eching nachhaltig optimiert und somit signifikante Effizienzsteigerungen realisiert. Die externe Koordination in dem Projekt hat die Karlsruher ILS Integrated Logistics Systems übernommen.
Von Thomas Wöhrle*
„Zum ersten Mal haben wir gemeinsam mit DB Schenker und ILS jetzt die Gesamtprozesse im Materialfluss analysiert und neue Potenziale aufgedeckt“, beschreibt Gabriela Russ, im BMW-Werk Eching mitverantwortlich für das Optimierungsprojekt, die neue Denkweise und Art in der Zusammenarbeit der beiden Logistikpartner. „Neben der deutlich gestiegenen Transparenz unserer Prozesse können wir heute auch sehr viel besser einschätzen, was unser Dienstleister wirklich leistet.“
Dabei habe ILS ganz entscheidend dazu beigetragen, Entscheidungen aufgrund von harten Fakten sehr viel schneller treffen zu können als dies in der Vergangenheit der Fall war. „Die strukturierte Vorgehensweise und Dokumentation von Seiten ILS und der damit verbundene externe Blickwinkel dient uns als Grundlage für mögliche Verbesserungen auch in der Zukunft, weil dadurch Ansätze zur Erschließung von Potenzialen transparent gemacht wurden“, so Russ.
Große Optimierungen in der Leergutabwicklung
Zum Teil haben sich die Materialflussprozesse im Echinger BMW-Werk vollkommen verändert. „Zum Beispiel haben wir uns sehr intensiv mit der Leergutabwicklung befasst und sehr viele Verbesserungsansätze gefunden“, so Russ. „Und durch neu entwickelte Tools erzielten wir hier die größten Optimierungen.“ In der Vergangenheit haben Volumenschwankungen zu einer gewissen Intransparenz bei den Aufträgen mit Voll- und Leergut geführt und somit eine effiziente Personaleinsatzplanung deutlich erschwert.
Durch die Optimierung des Materialflusses und die Anpassung der Zeitfenstersteuerung konnte eine gleichmäßigere und bessere Auslastung der Mitarbeiter im Leergutversand erreicht werden. Dies gilt auch für den Wareneingang. Durch die Optimierung des Mitarbeitereinsatzes auch in diesem Unternehmensbereich wurden weitere Effekte erzielt.
Erhebliches Potenzial, die Effizienz zu steigern
Im BMW-Werk Eching ist DB Schenker verantwortlich für die komplette Produktionsversorgung für das Werk des Automobilherstellers in München. „Im Prinzip stellen wir den gesamten vorgelagerten Wareneingang für die Montage dar“, erklärt Alfred Endörfer, Leiter der Geschäftsstelle von DB Schenker in Eching. „Zu unseren Aufgaben zählen unter anderem die Warenannahme, die Einlagerung, der Just-in-Time-Abruf für die Auslagerung sowie die Lieferung an definierte Übergabepunkte im Münchner Werk in der Nähe des jeweiligen Verbauortes.“ Hier übernehmen BMW-Mitarbeiter die Auflieger und versorgen die Verbauorte mit Vollgut. Die leeren Behälter transportiert DB Schenker dann wieder auf den Aufliegern zurück nach Eching, bereitet diese erneut auf und organisiert schließlich auch die Vorbereitung für den Versand durch ein Speditionsunternehmen.
„Zur Optimierung dieser Abläufe haben wir es uns zum Ziel gesetzt, die Effizienz innerhalb des Materialflusses bei einem reduzierten Handlingssatz und bestehenden Randbedingungen nachhaltig zu erhöhen“, sagt Alfred Endörfer. „Realistisch betrachtet entspricht dies einem umsetzbaren Kostensenkungspotenzial von etwa zehn Prozent.“
Qualität in der Disposition und im Anlieferverhalten gestiegen
Darüber hinaus konnten die Projektpartner auch die Leergutbestände im BMW-Werk Eching erheblich reduzieren. „Vor allem an den Leergutplätzen war in der Vergangenheit zum Teil deutlich zu viel an Bestand vorhanden“, erklärt ILS-Geschäftsführer Udo Moser die Ausgangslage. „Aus diesem Grund haben wir nicht nur eine Lagerortoptimierung durchgeführt, sondern auch ein Monitoring zur Steigerung der Transparenz innerhalb des Materialflussprozesses aufgebaut.“ Dieses gemeinsame Monitoring-Tool und die Definition der relevanten Kennzahlen für die Steuerung erlaubt eine sehr viel bessere Bewertung diverser Einflussgrößen auf das Dispositionsverhalten in der Leergutabwicklung oder auch die Zeitfenstersteuerung der angebundenen Speditionsunternehmen. Die Prozessqualität erhöht sich merklich. „Unter dem Strich sind auch aufgrund der Erhöhung des Automatisierungsgrades an dieser Stelle die Qualität in der Leergutdisposition sowie das Abholverhalten der Spediteure für Leergut deutlich angestiegen“, so Moser.
Für die kommenden Monate stehen nun vor allem investitionsrelevante und von äußeren Rahmenbedingungen abhängige Optimierungen im Fokus. „So gibt es beispielsweise im Wareneingang sehr viel größere externe Einflussfaktoren und Abhängigkeiten, die wir nicht von heute auf morgen verändern können“, sagt DB-Schenker-Projektleiter Alfred Endörfer. „Eine ganze Reihe von Einzelmaßnahmen, die zum Beispiel Prozessabläufe auf Seiten der Speditionsunternehmen oder Teilelieferanten betreffen, sind bisher so leider noch nicht umsetzbar.“ Eines sei jedoch sicher: Auf Grundlage dieses Optimierungsprojekts könnten in Zukunft auch Methoden des Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP) oder Kaizen sehr viel besser im Tagesgeschäft umgesetzt werden. Eine gemeinsame, unternehmensübergreifende Zusammenarbeit könne hier eine Vielzahl weiterer Optimierungen nach sich ziehen. „Und durch den Aufbau eines permanenten Monitoring in diesen veränderten Prozessabläufen sichern wir die Nachhaltigkeit dieser Optimierungen ab“, ergänzt Gabriela Russ. „So wollen wir in naher Zukunft zum Beispiel im Wareneingang weitere Verbesserungspotenziale erschließen und auf der Basis des bisher Erreichten ganz konkret angehen.“
*Thomas Wöhrle, Fachjournalist, Karlsruhe.
BU1 (Endörfer.jpg): „ImWesentlichen haben wir die Prozesse nachhaltig verändert und außerdem die Transparenz innerhalb der Prozesse.“ Alfred Endörfer, Leiter der Geschäftsstelle von DB Schenker im BMW-Werk Eching.
BU2 (Leergut I.jpg, Leergut II.jpg oder Leergut III.jpg): Die komplette Reorganisation der Leergutabwicklung hat zu einer wesentlichen Prozessoptimierung im BMW-Werk Eching beigetragen.
BU3 (Leitstand I.jpg oder Leitstand II.jpg): Im Leitstand überwachen Mitarbeiter von DB Schenker die Prozesse im Materialfluss. Fotos: Wöhrle

